Sonntag, 12. Oktober 2008

Reich-Ranicki und das deutsche Fernsehen



Ich muss zugeben: Ich war nie ein großer Fan vom deutschen Fernsehen. Das kann daran liegen, dass ich lange im europäischen Königsland des TV gelebt habe, wo Fernsehen neben Kino, Radio, Zeitungen, Theater und Kunst eine völlig eigene Kulturform darstellt - mit seiner eigenen Sprache, avantgardistischen Bewegungen und Tiefgang. Dagegen wirkt das deutsche Fernsehen auf mich entweder wie billiges Entertainment, sinnlose verdummende Comedy ohne Tiefgang und einfach platt. Klar, es gibt auch Lichtblicke und deutsche Nachrichtensendungen sind großartig, aber in Sachen Entertainment würde ich vielleicht sogar so weit gehen und mich einigen englischen Kommentatoren anschließen und sagen, die Deutschen seien nicht lustig. Das stimmt natürlich nicht, aber wenn man sich unser Fernsehen anguckt, könnte man zu dem Schluss kommen. Ich glaube auch ich finde einen feuilletonistischen Beitrag von Mariette Slomka im Heute-Journal lustiger als zwei Stunden Comedy bei den Privaten. Vielleicht auch wegen all dieser Dinge führt Marcel Reich-Ranickis "Beinahe-Eklat" beim soeben ausgestrahlten Deutschen Fernsehpreis bei mir zu einem solch zufriedenstellenden Lächeln und erinnert mich an Tocotronics Verweigerung des VIVA-Cometen. Natürlich kann man sagen, Reich-Ranicki sei ein verbohrter Intellektueller, es waren auch gute Auszeichnungen dabei, es gibt auch gute deutsche Fernsehformate, und überhaupt reicht so ein kurzer Blog-Eintrag kaum, um sich völlig in diesem Thema zu verlieren, aber ein Anstoß sollte es schon sein. Und eine Aussage zum Schluss: Der deutsche Fernsehpreis ist eine Farce: Sat1, RTL und die öffentlich-rechtlichen verteilen in jeder Kategorie, die man sich am runden Tisch so ausdenkt, Preise für Dinge, die es nicht verdienen mit Preisen ausgestattet zu werden. DSDS ist die beste Unterhaltungsendung? Reicht es denn nicht, dass RTL mit der Sendung Millionen umsetzt? Ist das nicht Preis genug? Am besten hat für mich Elke Heidenreich den Eklat, nein die wahren Worte eines alten Mannes in einer nicht ganz wahren Zeit zusammengefasst. Sie kommt zu dem Schluss: Das deutsche Fernsehen ist eben nicht Hollywood, sondern Köln-Ossendorf.

1 Kommentar:

Leila hat gesagt…

Hallo, Elke Heidenreich war mit Abstand das noch aller peinlichste. Da konnte noch nicht mal DSDS mithalten. Kein Wunder, dass sie das ZDF rausgeschmissen hat.

Sollte die FAZ auch tun. Sonst leidet auch dort das Niveau beträchtlich.

Das vor Allem die Künstler, die durch das Fernsehen bekannt wurden, am leidenschaftlichsten aufregen ist einfach nur...

ja peinlich eben nich...